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Naturheilkunde

Man muss wissen, dass die Medizin in weiten Bereichen keine Wissenschaft in jenem Sinne ist, dass "wissenschaftlich fundiert" etwas getan wird, und dann ist notgedrungen der Erfolg vorhanden. Es ist nicht eine Wissenschaft wie "Brückenbauen". Von einem Brückenbauer würde man absolut verlangen, dass am Ende eine funktionierende Brücke da ist, unter der Schiffe hindurchfahren können und darüber Autos und Eisenbahn.
So ist das in der Medizin nicht.

Es gibt drei Möglichkeiten für Sie als "Konsument": Entweder

1. die wissenschaftlich etablierte Methode funktioniert, oder

2. die wissenschaftlich etablierte Methode funktioniert nicht oder ungenügend, oder

3. sie ist gar nicht angebracht und man muss sich den richtigen Arzt suchen - wenn es ihn überhaupt gibt.

Was die Suche nach dem richtigen Arzt betrifft, ist diese Suche bei Punkt 1 relativ leicht. Man sucht sich den Arzt nach Ansehen oder Sympathie oder nach seinen Kosten oder nach seinem Standort aus. Was die Ganzheitsmedizin betrifft, so kommen Punkt 2 und 3 zum Tragen. Denn jetzt brauchen Sie eine aussergewöhnliche Lösung. Hier haben wir die Medizin sozusagen "als Wissenschaft" verlassen und betreten die Medizin als "Kunst"!
Beispiel: Viele Frauen haben immer wiederkehrende Blasenentzündungen oder Scheidenpilze. Man geht zum Arzt und bekommt Antibiotika - durchaus richtigerweise. Und die Krankheit verschwindet, jedoch nicht für immer. Es trifft zu: die wissenschaftlich etablierte Methode funktioniert nicht oder ungenügend (Punkt 2). Nun betreten wir das Gebiet der Ganzheitsmedizin und hier gibt es leider keine einheitliche Behandlungsphilosophie, sondern jeder "Künstler" übt die Kunst ganz nach seiner Art aus - nach seiner Einstellung, nach seiner Ausbildung und nach seiner Erfahrung.

Was den Punkt 3 oben betrifft (die "schulmedizinische" Methode ist gar nicht angebracht oder es gibt gar keine funktionierende): Dort ist die Suche am schwersten. Alle Krankheiten, die üblicherweise nicht ausgeheilt werden, landen dort. Der Patient, der bereits mehrere erfolglose Versuche unternommen hat, gesund zu werden, wird sehr intensiv suchen müssen.

Zum besseren Verständnis einige Definitionen:

 

"Ganzheitsmedizin": Dies bedeutet, dass man MEHR in Betracht zieht, vor allem etwas "Ganzes" anstatt nur das Detail. Man sieht etwas in seinen verschiedenen Zusammenhängen, von einem distanzierteren Blickpunkt, wohingegen man sich ansonsten zu sehr auf die Einzelteile konzentriert. Die Meinungen gehen auseinander und es gibt daher zwei voneinander unterschiedliche Definitionen:

1. Der Zusammenhang GEIST - KÖRPER wird hervorgehoben. Es sollte eine Krankheit in dieser Komplexität betrachtet werden und nicht einfach nur mechanisch als etwas Materielles allein, als etwas rein Körperliches. Den Krankheiten wird eine mehr seelische Ursache zugesprochen, deren Folgeerscheinungen bzw. Symptome dann als "Krankheit" zutage treten.

2. Aber auch auf rein medizinisch-körperlichem Gebiet erkennen wir VERBINDUNGEN und ZUSAMMENHÄNGE, welche nur in ihrer "GANZHEIT" richtig erfasst werden können. Beispielsweise kann ein Kopfschmerz mit der Verstopfung in Zusammenhang stehen, und er geht auch tatsächlich weg, wenn man den Bauch (zum Beispiel den Dickdarm) in Ordnung bringt. - Während man also üblicherweise die Erkrankung am Kopf sucht (zu lokal und zu einseitig gedacht, nach der Meinung der "Ganzheitsmediziner"), befindet sich die Ursache in einem anderen Körperteil. Ganz einfach mechanisch, materiell, auf körperlicher Ebene: ganzheitlich.

 

"Naturheilkunde" (Definition aus dem "kleinen Brockhaus"):

"Lehre der Krankheitsbehandlung, die auf die Steigerung der dem Menschen innewohnenden Naturheilkräfte (Selbstheilungskräfte) hinzielt. Diese müssen unterstützt, krankheitsfördernde Faktoren ausgeschaltet werden." Diese Definition liegt mir sehr am Herzen, denn sie zeigt mehrere Dinge auf: Erstens gibt es Selbstheilungskräfte, an die wir in der Medizin zu wenig denken. Wenn wir eine Operation machen, so rechnen wir automatisch damit, dass danach alles von selber zusammenheilt. Wenn wir eine Grippe haben, dann können wir ebenfalls davon ausgehen, dass wir gesund werden! Und so ist es bei allen Krankheiten: der Körper hat die Fähigkeit, sie auszuheilen!
Aber hoppla: warum gibt es dann Kranke?? Nun, eine Krankheit kann nur dann nicht ausheilen, wenn die Selbstheilungskräfte darniederliegen. Was daraus folgt: Bei einer chronisch gewordenen Krankheit müssen ZUERST die Selbstheilungskräfte wieder instandgesetzt werden, damit überhaupt ein Erfolg erzielt werden kann. Oder anders ausgedrückt: Es ist ganz zwecklos, eine Therapie zu beginnen, solange man die Selbstheilungskräfte nicht wieder instandgesetzt hat. Oder: eine Krankheit kann nur deshalb chronisch werden, weil die Selbstheilungskräfte bereits eine Weile davor versiegt sind.
Ein guter Ganzheitsmediziner wird also den Schwerpunkt seiner Therapie zuerst und zur Hauptsache darauf verlegen, die Heilkräfte der Natur zu unterstützen, zu verbessern, zu lenken, zu leiten - und damit so umzugehen, dass am Schluss Ausheilung erzielt wird.
Zweitens erkennt man in der obigen Definition von Naturheilkunde, dass eine Krankheit aus dem schädlichen Einfluss einerseits und den Reaktionen des Organismus anderseits besteht. Daraus ergibt sich für die Praxis, dass es (zum Beispiel) nicht notwendigerweise richtig ist, Fieber und Entzündung zu unterdrücken, denn diese sind das falsche Ziel! Nicht die Bemühungen des Organismus soll der Arzt schmälern, sondern den schädlichen Einfluss.
Dass dies nicht in der Definition der Medizin, sondern lediglich in der Definition der Naturheilkunde enthalten ist, deutet darauf hin, dass man diesen Umstand heute nicht genügend beachtet und somit beim Kranken die Reparaturversuche des Organismus unterdrückt anstatt ihm zu helfen, sich zu heilen (Pillen statt Heilung).

Naturheilkunde heisst so, weil man die natürlich vorhandenen Heilkräfte nutzt.

 

"Alternativ-Medizin", "Komplementäre Medizin": Auch diese beiden Begriffe sollen erwähnt werden, weil es sie gibt. "Alternativmedizin" ist natürlich ein sehr oberflächlicher Ausdruck, der dafür steht, dass etwas nicht so ist wie üblich. Also alternativ zur üblichen Routine-Medizin. Bezeichnet wird damit im Volksmund all jenes, was der Patient bei einem "gewöhnlichen" Schulmediziner nicht bekommt. - Ein wenig wissenschaftlicher Ausdruck also, für unsere Zwecke nicht besonders gut geeignet. Da er aber am ehesten verstanden wird, hat er seine Berechtigung. "Komplementär" (ergänzend) wird diese Art von Medizin genannt, weil man mancherorts meint, dass es sich um eine Ergänzung zur Schulmedizin handelt.

"Homöopathie": Dieser Ausdruck sehr bekannt, aber die wenigsten wissen, was er bedeutet. Fälschlicherweise wird er von den Menschen mit "Naturmedizin" oder "Ganzheitsmedizin" gleichgesetzt. Den hohen Bekanntheitsgrad in Österreich verdankt er Professor Dorcsi aus Wien, weil es dort zu seiner Zeit zwar "seine" Homöopathie gab, aber sonst keine Ganzheitsmedizin. So hat man im Volk jede medizinische "Alternative" mit "Homöopathie" bezeichnet.

Homöopathie bedeutet jedoch "der Krankheit ähnlich" und ist nur ein sehr kleiner Teil der ganzheitsmedizinischen oder naturheilkundlichen Verfahren, neben Ernährung, Vitaminen, Ozon-Therapien, Kräuterheilkunde, Akupunktur etc. Man behandelt in der Homöopathie mit verdünnten Substanzen, welche in voller Konzentration jedoch Giftstoffe sind. Man verdünnt sie, um den Organismus nicht zu vergiften, aber man gebraucht das Gift, indem man jenes auswählt, das der Krankheit am ähnlichsten ist. Mit anderen Worten: wenn man pulsierende Kopfschmerzen heilen möchte, muss man jenes Mittel wählen, das pulsierende Kopfschmerzen verursachen würde! Das ist Homöopathie.

Wenn Sie das Obige gut durchgelesen haben, haben Sie eine Orientierung bekommen, was man unter diesen Begriffen versteht. Sie können jetzt mit mehr Verstehen an Ihre Arztsuche herangehen und zum Beispiel mit ein paar Fragen an den Arzt erkennen können, ob er Ihren Anforderungen entspricht. Leider gibt es keine einheitliche Ausbildung für diese Art von Medizin. Leider gibt es genau genommen überhaupt keine Ausbildung und so kommt es, dass man auf sehr unterschiedliche Therapeuten stösst, mit unterschiedlichen Philosophien und mit unterschiedlichen Verfahren.

Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch eine einfache Faustregel auf den Weg mitgeben, die sehr wichtig ist:
Wann gehe ich zum "Schulmediziner" und wann gehe ich zum Ganzheitsmediziner??
Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen einer akuten und einer chronischen Erkrankung: "Chronisch" bedeutet "mit Zeit verbunden". Das heisst also, eine chronische Krankheit ist eine Krankheit, die über eine Zeit hinweg andauert. "Akut" bedeutet "spitz, scharf". Eine akute Krankheit ist eine Krankheit, bei der die Erscheinungen "spitz, scharf" sind“ meistens gehen sie rasch vorbei. Wenn die Beschwerden andauern, werden sie "chronisch".
Viele Krankheiten mit dem gleichen Namen können eine akute und eine chronische Form haben. Lassen Sie mich das am Beispiel der Bronchitis erklären. Bronchitis ist eine Entzündung der Atemwege (Bronchien = Atemwege, "-itis" bezeichnet immer eine Entzündung). Die akute Bronchitis geht mit heftigen ("spitz", "scharf") Krankheitserscheinungen einher: Fieber, Husten, Auswurf, Schmerzen, starkes Krankheitsgefühl.
Eine chronische Bronchitis schleppt sich dahin: man hustet, hat höchstens ein bisschen Fieber (meist gar keines), kann vielleicht sogar arbeiten gehen, aber man wird die Krankheit nicht wirklich los. (Der Organismus kann sie nicht ausheilen, weil seine Abwehr versagt hat!)
Wenn sich der Organismus heftig wehrt, ergibt das also eine akute Erkrankung. Wenn er sich nur schwächlich wehrt, entsteht eine chronische Erkrankung. Das heisst, eine akute Erkrankung zeugt von einem guten Abwehrsystem, insbesondere dann, wenn der Organismus gut Fieber erzeugen kann. Eine chronische Krankheit sagt uns, dass das Immunsystem schwach ist.
Es ist wichtig zu wissen, dass Fieber und Entzündung die Abwehrmechanismen des Körpers sind. Die sicherste Art, aus einer guten Abwehr eine schwächliche zu machen, ist es, bei einer akuten Entzündung die Bemühungen des Organismus zum Beispiel durch fiebersenkende und entzündungshemmende Mittel zu bekämpfen. Es ist doch einleuchtend, dass es nur sinnvoll sein kann, den "Feind" zu schwächen und nicht den Freund.

Also lautet die Faustregel: Bei akuten Krankheiten zum Schulmediziner, bei chronischen Krankheiten zum Ganzheitsmediziner.

Bei einer akuten Erkrankung ist die Abwehr gut genug beisammen, so dass eine schulmedizinische Behandlung (zusammen mit der intakten Abwehr) Gesundheit herbeiführen wird. Wenn die Selbstheilungskräfte jedoch bereits zu schwach sind, wird die schulmedizinische Behandlung alleine nicht zum Erfolg führen. Kränkelt man also dahin, oder kommt die Krankheit immer wieder zurück (!), muss das Immunsystem unterstützt und gelenkt werden, so dass der Organismus selber letztlich die Ausheilung herbeiführen kann.