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Demenz

Demenz

 – Wenn das Gedächtnis versagt –

 

Definition

Die Demenz ist die fortschreitende Beeinträchtigung von Merkfähigkeit, Gedächtnis, Sprache, Reaktionszeit, praktischem Handeln, Lernfähigkeit, Intelligenz, Rechnen, Orientierung, emotionaler Kontrolle, Motivation und Urteilsvermögen ohne Bewusstseinsstörung über mindestens 6 Monate.

Demenz ist also nicht die Bezeichnung für ein spezifisches Symptom, sondern ein Sammelbegriff. Sie beschreibt eine allmählich beginnende, aber letztendlich weitgehende Beeinträchtigung aller intellektuellen Fähigkeiten, vor allem des Gedächtnisses. Die Verschlechterung des Gedächtnisses bezieht sich zunächst auf die Aufnahme und Wiedergabe von neuen Informationen, während früher erlernte und seit langem vertraute Inhalte erst in fortgeschrittenen Krankheitsstadien betroffen sind. Eine Demenz kann vorübergehend sein (bei sekundäre Demenzen), in den häufigsten Fällen aber verschlechtert sie sich zunehmend (primäre Demenzen). Später sind selbst die einfachsten Alltagsverrichtungen unmöglich geworden. Begleitet wird eine Demenz im fortgeschrittenen Stadium oft von Verwirrtheitszuständen, Stimmungsschwankungen (Depression, Aggression), Befindlichkeitsstörungen, Antriebsverlust und körperlichen Symptomen wie Kontrollverlust über die Ausscheidungen (Inkontinenz) oder Bettlägerigkeit.

Bei vielen Menschen kommt es im hohen Lebensalter zu einem Abbau von Lernfähigkeit, Kurzzeitgedächtnis und Reaktionszeit. Herauszufinden, ob eine Demenz dahintersteckt, ist die diagnostische Aufgabe des Arztes.

 

Altersabhängige Häufigkeit der Demenz

Modellrechnungen für Deutschland weisen darauf hin, dass die absolute Zahl von Demenzpatienten im Alter von 65 Jahren und darüber kontinuierlich zunehmen wird. »Im Vergleich zu 1997 mit geschätzten 1,2 bis 1,6 Millionen Demenzpatienten ist 2030 mit 1,9 Millionen bis 2,5 Millionen Demenzpatienten zu rechnen. Die Zunahme beträgt damit rund 60 %, bezogen auf die untere Grenze der angegebenen Bandbreite und das Jahr 1997«.

Nur eine frühzeitige Intervention hilft zu verhindern, dass der Einzelne dieses Schicksal erleidet und die Angehörigen und die Gesellschaft einen hohen Aufwand zur Pflege und Versorgung des Dementen leisten müssen. Die Häufigkeit einer Demenz durch dauerhafte Strukturveränderungen des Gehirns (primäre Demenzen), beträgt ca. 5% in der Gruppe der 65-80jährigen, ca. 20% bei den über 80jährigen bis hin zu über 50% der über 90jährigen.

 

Formen der Demenz

80-90% aller Demenzen sind sogenannte primäre Demenzen. Hier liegen die Ursachen zu etwa 1/3 an mangelnder Durchblutung durch viele kleine Infarkte (Schlaganfälle) im Rahmen einer allgemeinen Gefäßverkalkung/Arteriosklerose. 2/3 der Demenzerkrankungen gehören zu den degenerativen oder „Verschleißerkrankungen“. Insgesamt können etwa die Hälfte aller Demenzen in die Gruppe der „Demenzen vom Alzheimer-Typ“ zusammengefasst werden. Im Rahmen dieser Erkrankung kommt es zur Ablagerung von Eiweißmolekülen und Abbau der Nervenzellen im Gehirn. Andere Ursachen degenerativer Demenzen sind Morbus Parkinson, Morbus Pick, Lewy-Körper-Demenz und die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung.

Sekundäre Demenzen (10-20% aller Demenzen) sind gegebenenfalls rückbildungsfähig und treten bei internistischen oder neurologischen Erkrankungen als Begleitsymptom auf. Die Funktionsstörungen betreffen lokal umschriebene Hirnareale und die dort lokalisierten Funktionen. Nicht betroffene Regionen und Funktionen bleiben dagegen intakt. Je nach Demenztyp variiert das Verhältnis zwischen beeinträchtigten und intakten Funktionen. In der Regel sind jedoch die einzelnen Demenzformen ohne eingehende neurophysiologische Tests nicht zu unterscheiden.

 

Ursachen + Risikofaktoren

Die Gründe zur Entwicklung einer durchblutungsbedingten Demenz sind die gleichen wie die für andere arteriosklerotische („Gefäßverkalkung“) Krankheiten. Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Rauchen, Fettstoffwechselstörungen, Zuckerkrankheit, Übergewicht, Bewegungsmangel und noch einige andere.

Die Ursachen für Alzheimer-Demenzen sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Die Erfahrung zeigt aber, dass eine Mangelernährung, geistige und körperliche Trägheit, die genetische Ausstattung, eine erhöhte Giftbelastung (Schwermetalle, Alkohol), sinkende Hormonspiegel, hoher oxidativer Stress durch freie Radikale und verschiedene Stoffwechselerkrankungen eine Rolle spielen. Auch eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) mit schlechter Blutversorgung fördert neben der vaskulären auch eine degenerative Demenz.

Zu den Ursachen sekundärer Demenzen gehören chron. Alkoholmissbrauch, Stoffwechselstörungen und Vitaminmangel, Herz-Kreislauferkrankungen, Depression (Pseudodemenz!), Belastung durch Medikamente oder Umweltgifte, Flüssigkeitsmangel und Elektrolytsstörungen, das chronische subdurale Hämatom, die Multiple Sklerose, Hirntumoren, Epilepsien, Chorea Huntington, Unterernährung, Entzündungen und Infektionen wie Tuberkulose und Syphilis. Diese Demenzformen sind bei Behandlung der Grunderkrankung prinzipiell rückbildungsfähig.

 

Verlauf einer Demenz

Probleme im Alltag sind häufig die ersten Symptome, die dem Betroffenen oder seinen nahen Bezugspersonen auffallen. Vergesslichkeit allein ist jedoch kein Vorzeichen für Demenz („Falls Sie nicht mehr wissen, wo Sie Ihre Brille hingelegt haben, ist das Vergesslichkeit. Falls Sie nicht mehr wissen, ob Sie eine Brille haben ist das Demenz.“)

Im frühen Stadium der Demenz sind es oft die Ehepartner, die die schleichende Entwicklung eines Demenzsyndroms bemerken. Es fallen eine rasche Erschöpfbarkeit und Antriebsarmut, Kurzzeit-Gedächtnisstörungen, ein Überforderungsgefühl mit Depressivität und Ängsten sowie Konzentrationsschwächen, Wortfindungsstörungen und eine verminderte Rechenleistung auf. Ein selbstbestimmtes Leben mit seinen Alltagsaktivitäten ist noch möglich.

Im weiteren Verlauf verschlechtern sich die Symptome jedoch und es kommt zu Veränderungen der Persönlichkeit und einer weitgehenden Beeinträchtigung der funktionellen Fähigkeiten im Alltag. Der Betroffene gefährdet sich zu Teil in hohen Maße selbst durch Weglaufen, Stürze, Teilnahme am Strassenverkehr, falsche Medikamenteneinnahme und „Fehler“ bei Bekleidung und Ernährung aber zusätzlich durch unsachgemässen Umgang mit Gas, Wasser, Feuer und Aggressivität auch Menschen um sich herum. Die Belastung der pflegenden Angehörigen (meist sind es die Ehefrauen, Töchter oder Schwiegertöchter) ist trotz professioneller Unterstützung von Pflegediensten bei fortgeschrittenem Krankheitsstand enorm. Ab einem gewissen Stadium ist eine Unterbringung und Pflege in einer stationären Einrichtung oft nicht zu umgehen. Je nachdem in welchem Alter eine Demenz beginnt kann sich die Erkrankung über 5 bis 20 Jahre hinziehen. Gerade frühzeitig Betroffenen und ihre Angehörige haben einen sehr langen Leidensweg.

 

Hausärztliche Diagnostik

Die Entwicklung einer Demenz frühzeitig zu entdecken ist die Aufgabe des Hausarztes. Meist kennt er die Patienten schon einige Zeit und ist im Kontakt mit den Angehörigen. Im Verdachtsfall wird er das ausführliches Gespräch mit Patient und Angehörigen suchen sowie eine gründliche körperliche Untersuchung durchführen. Die Labordiagnostik, das Erstellen von Risikoprofilen, einige Funktionsuntersuchungen wie EKG und Lungenfunktion geben weitere Hinweise auf die Ursachen der Erkrankung.

Zunächst müssen vor allem die sekundären Demenzformen ausgeschlossen werden. Falls erforderlich, kann der Hausarzt in Zusammenarbeit mit dem Radiologen zusätzlich eine bildgebende Diagnostik (CT, MRT) einleiten.
Fachärztlicher Beistand, d.h. heisst der Besuch eines Neurologen und/oder eines Psychiaters, ist insbesondere bei unklaren und schwer beurteilbaren Situationen (ausgeprägte Störungen, ungewöhnlich rasche Entwicklung, frühzeitig auftretende neurologische Symptome, schwer interpretierbare CT/MRT-Befunde u.a.) nötig, um andere Krankheitsursachen auszuschliessen.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der ärztlichen Diagnostik sind die psychometrischen Tests. Mit diesen Testverfahren kann in wenigen Minuten ein Bild von der geistigen Leistungsfähigkeit eines Menschen gewonnen werden. Am bekanntesten sind dabei der „Mini Mental Status Test“ (MMSE) und der „Test zur Früherkennung von Demenz mit Depressionsabgrenzung“ (TFDD). Von beiden Tests werden die zeitliche und räumliche Orientierung, die Merkfähigkeit und Kurzzeitgedächtnis, Kopfrechnen, Sprach- und Textverständnis und das Vorliegen von Wortfindungsstörungen und praktischen Störungen erfasst. Aussagekräftige Ergebnisse erzielt man vor allem dann, wenn man einen Test in regelmässigen Abständen, z.B. alle 3 Monate, wiederholt.

 

Ziele der Demenz-Therapie

Da in den meisten Fällen nicht mit einer Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes gerechnet werden kann ist das vordringliche Ziel aller therapeutischen Bemühungen die Stabilisierung der kognitiven Leistungsfähigkeit mit Erhalt der Alltagskompetenz.
Die Vermeidung der Pflegebedürftigkeit oder auch die Pflegeerleichterung sind weitere Ziele. Wichtig sind Information und behutsame Aufklärung von Patient und Angehörigen bei insgesamt schlechter Prognose.

 

Ansätze der Demenz-Therapie

Bei sekundären Demenzen steht wie gesagt die Therapie der Grunderkrankung im Vordergrund. Bei primären Demenzen müssen vielfältige Zugänge gewählt werden, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen. Zu den wichtigen Massnahmen gehört eine gesunde Ernährung mit ausreichender Nährstoffversorgung. Gerade ältere Menschen trinken und essen oft zu wenig oder einseitig. Da eine Umstellung im hohen Alter sich aber oft sehr schwierig gestaltet kommt man neben einer genügenden Trinkmenge um die Zugabe von Vitalstoffen, sprich Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen und anderen, nicht herum. Auch konnte gezeigt werden, dass gewisse Vitalstoffe nicht nur eine schützende Funktion im Vorfeld sondern auch eine Verbesserung des Hirnstoffwechsels im Erkrankungsfall erreichen können.

Erfolgversprechend ist häufig die medikamentöse Therapie mit „Acetylcholinesterasehemmern“ und „NMDA-Rezeptor-Antagonisten“. Auch der Einsatz von Extrakten der Blätter des Ginkgo-Baums zeigt einen positiven Effekt auf die Gehirnleistungen.
Unerlässlich ist immer ein körperliches und geistiges Aktivierungstraining. Einfaches „Gehirnjogging“ und leichte gymnastische Übungen halten Körper und Geist in Bewegung und damit gesünder. Vorsicht ist nur vor einer Überforderung des Patienten geboten.
Da die Last der Behandlung bei den Angehörigen und Pflegepersonal liegt ist die regelmässige Betreuung und Aussprache mit dem Arzt sehr hilfreich. Im Gespräch können Belastungen aus der notwendigen emotionalen Zuwendung zum Patienten zur Sprache gebracht werden. Liegt der Verdacht der Belastung mit Giftstoffen nahe, können ausleitende naturheilkundliche Therapien die Rahmenbedingungen für ein funktionierenden Gehirnstoffwechsel schaffen.
Die Ernährung, die Versorgung mit Vitalstoffen und die geistige und körperliche Bewegung sind auch die besten Massnahmen, um der Entwicklung einer Demenz entgegen zu wirken.

 

Spezielle Probleme

Bei der Demenzerkrankung kommt es im Rahmen der beschriebenen Symptome des geistigen und körperlichen Verfalles auch zu spezifischen Problemen, die das tägliche Leben erschweren. Dazu gehören Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz oder Obstipation, Erregungszustände, Aggressionen, depressive Symptome und die Verweigerung der Nahrungsaufnahme. Diese Schwierigkeiten sind in den meisten Fällen durch eine spezifische Therapie in Absprache mit dem Arzt zu bewältigen. Oft sind es einfache Tips und Ratschläge die das Leben von Patient und Betreuer erleichtern können.

 

Zusammenfassung

Die Demenz ist eine stark beeinträchtigende Krankheit und darf kein Tabu-Thema sein. Eine adäquate und rationale Therapie durch Betroffenen, Angehörige, Ärzte und Pflegende erhält die Lebensqualität und verringert hohe Pflege- und Versorgungskosten. Dies gilt insbesondere auch vor dem Hintergrund der zunehmenden „Vergreisung“ unserer Gesellschaft.

Die Behandlung der Demenz muss so früh wie möglich beginnen, um einen grösstmöglichen Effekt zu erzielen. Der Schweregrad der Erkrankung bestimmt dabei das Therapieziel. So muss z.B. das Verbleiben im vertrauten Umfeld gefördert werden. Die Behandlung einer Demenz ist immer ein Puzzle aus verschiedenen Ansätzen. Die Verzögerung des Krankheitsverlaufs ist bereits als therapeutischer Erfolg anzusehen. Die Beratung und Unterstützung von Angehörigen und Pflegenden müssen Bestandteil des Behandlungskonzeptes sein.