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Wenn die Gefäße verkalken
Über Ursachen und Folgen der Arteriosklerose
Immer wieder ist in den Nachrichten vom plötzlichen Ableben eines Menschen in seinen besten Jahren, meist sind es Männer aus Politik oder Wirtschaft, zu hören. Als Ursache für deren Tod wird häufig Herzversagen oder Herzinfarkt angegeben.
Wie ist es dazu gekommen? Gab es keine Warnhinweise? Konnte vorher nichts dagegen unternommen werden? Wird es auch mich einmal so überraschend treffen? Diese und andere Fragen beschäftigen uns, wenn wir mit einer solchen Meldung konfrontiert werden.
Über Ihr ganz persönliches Risiko kann Ihnen nur Ihr Arzt Auskunft geben. Einen Überblick über die wichtigste Erkrankung unserer Gefässe, die Arteriosklerose, ihre Ursachen und individuelle Behandlungsmöglichkeiten können Sie aber bereits im folgenden gewinnen.
Die Krankheit
Arterien sind die Blutgefässe, die das Blut vom Herzen bis in die hintersten Winkel des Körpers bringen. Mit dem Blut kommen Sauerstoff, Nährstoffe und vieles andere lebenswichtige Substanzen zu jeder einzelnen Zelle. Bricht diese Versorgung ab, dann stirbt das Gewebe.
Durch Einlagerung von Fetten, vor allem der Cholesterin-Untergruppe LDL, durch Reaktionen des Immunsystems und durch Ansammlung von Calcium entstehen über viele Jahre hinweg Ablagerungen, sogenannte Plaques, in den Wänden der Arterien. Dadurch wird die Lichtung eingeengt, das Gefäss „verkalkt“ und die Blutversorgung hinter der Verengung verschlechtert sich. Manchmal reissen sich die Ablagerungen auf und es kommt durch eine Anlagerung von Blutblättchen zu einer weiteren, manchmal entscheidenden Einengung der Arterie. Gelegentlich schwimmen Teile des Plaques mit dem Blutstrom, bleiben im weiteren Verlauf hängen und verstopfen dort das Gefäss vollständig. Das dahinterliegende Gewebe vermisst als erstes den lebensspendenden Sauerstoff und schreit auf vor Schmerzen. Kommt jetzt keine schnelle Hilfe stirbt das betroffene Areal ab. Am Herzen wird dann von einem Herzinfarkt, beim Gehirn von einem Schlaganfall gesprochen. Hier versucht dann die Notfall-Medizin zu retten, was noch zu retten ist. Oft kommt aber jede Hilfe zu spät. Zu verhindern, dass es so weit kommt gilt es zu verhindern. Vor allem Personen mit einem hohen Risiko spielen mit dem Feuer, wenn sie nicht beizeiten vorbeugende Massnahmen treffen.
Die Ursachen
Die Arteriosklerose entwickelt sich über viele Jahre und Jahrzehnte. Die beschriebenen Gefässveränderungen finden häufig bereits ab der 2. Lebensdekade statt. Die Ursachen sind vielfältig. Bewegungsmangel, falsche Ernährung (zu fett, zu süss, „fast food“), Nikotinmissbrauch und privater oder beruflicher Dauerstress gehören dazu. Die Arteriosklerose ist daher weitgehend als eine Zivilisationskrankheit anzusehen.
Durch unsere schlechten Lebensgewohnheiten, die heute leider eher die Regel denn die Ausnahme sind, kommt es zu vermehrten Oxidationsprozessen. Auf der biochemischen Ebene sind es sogenannte „freie Radikale“ (z.B. aus Tabakrauch oder durch Schwermetall- und Pestizidbelastung) und ihre Gegenspieler, die Antioxidatien, die hierbei die Hauptrolle spielen. Hervorzuheben ist daneben die zentrale Bedeutung eines erhöhten Blutdruckes, der Fettstoffwechselstörungen und der Zuckerkrankheit für eine frühzeitige Entwicklung einer Arteriosklerose. Hormone (Estrogen, Testosteron, Thyroxin u.a.) sowie genetische und nervale Faktoren sind ebenfalls an dem Geschehen beteiligt.
Es kommt zu einer Verletzung der innersten Schicht der Arterien und der Einlagerung von LDL-Cholesterin in die Gefässwände. Dies stellt den Anfang der arteriosklerotischen Plaquebildung dar. Derartige Fettstreifen („fatty streaks“) konnten im Vietnamkrieg bereits bei 19jährigen amerikanischen Soldaten festgestellt werden.
Die Folgen und ihre Beschwerden
Die arteriosklerotischen Veränderungen betreffen das gesamte arterielle Gefässsystem des Menschen mit seinen mehreren tausend Kilometern Länge. Besonders gefährdet sind druck- und strömungsbelastete Gebiete wie die Bauchschlagader, die Halsschlagadern, die Herzkranzgefässe und die Beinschlagadern. Aber auch die inneren Organe, z.B. die Nieren, sind nicht selten befallen. Je nach betroffenem Organ treten ganz unterschiedliche Beschwerden auf. Dabei ist zwischen langfristigen und akuten Folgen zu unterscheiden. Wenn die Herzkranzgefässe von den Veränderungen betroffen sind, tritt insbesondere bei Belastung, die Brustenge oder “Angina pectoris“ mit starken Schmerzen in Kombination mit Luftnot auf. Häufig kommt es jedoch auch ohne Vorwarnung gleich zu einem Infarkt. Ähnlich ist das bei anderen Organen. Am Gehirn fallen langfristig Leistungsstörungen oder eine Demenz auf, während der akute Verschluss eines Gefässes als Schlaganfall imponiert. Landläufig bekannt ist auch die sogenannte „Schaufensterkrankheit“, die die betroffenen Personen, häufig starke Raucher, aufgrund der Verkalkung der Beinarterien und der daraus entstehenden Schmerzen zwingt, in regelmässigen Abständen stehen zu bleiben und sich zu erholen. Daher kommt der Ausdruck „Raucherbein“.
Es wird klar, dass das Funktionieren all unserer Organe direkt vom Zustand der Arterien abhängig ist. Die Bedeutung wird deutlich wenn man sich die Statistiken der Todesursachen in Europa ansieht. Dort stehen die Folgeerkrankungen der Gefässverkalkung an der Spitze. Daher ist die Aussage „Wir sind so alt wie unsere Gefässe völlig berechtigt und fordert jeden einzelnen auf, sich um das Wohlergehen seiner Gefässe zu sorgen.
Die Untersuchungen
Um die beschriebenen Folgen zu verhindern, darf nicht gewartet werden bis es zu Krankheitssymptomen kommt. Zu oft ist das erste Ereignis, der manifeste Herzinfarkt, auch das Letzte. Jeder über 35 Jahre sollte sich zumindest alle 2 Jahre ein Risikoprofil für Herz-Kreislauferkrankungen von seinem Arzt erstellen lassen. In diesem Profil werden folgende Parameter zusammengefasst: Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen, familiäres Risiko, Nikotinsucht, Ernährung, Stressmanagement, Gewicht, Diabetes mellitus, Fettstoffwechsel, Blutdruck, Blutdruckamplitude und als neuer Wert, der die Elastizität der Arterien in einer einfachen Messung bestimmt, der Arterien Starre Index (ASI). Aus 7 dieser Punkte wird zusätzlich das Risiko für einen Herzinfarkt in den nächsten 10 Jahren bestimmt. Grundlage dazu ist die seit 1948 laufende „Framingham-Studie“ und ihre Ergebnisse. So kann in kurzer Zeit ein erstes Bild über die individuelle Gefährdung gewonnen werden. Sind Auffälligkeiten vorhanden ist eventuell eine weitere Diagnostik notwendig. Hier kommen z.B. Belastungs-EKG, Doppleruntersuchungen, Herz-Ultraschall, weitere Labormessungen bis hin zu Herzkatheteruntersuchungen in Betracht.
Die Behandlung
Wenn es um Massnahmen zur Verhütung von Herzinfarkt und Schlaganfall geht, muss an erster Stelle, zum Leidwesen vieler Patienten, von der Änderung von Risikoverhalten gesprochen werden. Dazu gehören in den meisten Fällen die Vermeidung von Umweltgiften (z.B. Nikotin), eine Ernährungsumstellung, die Erhöhung der Fitness durch körperliche Bewegung, Regenerationsphasen in Form von ausreichend Schlaf und der richtige Umgang mit Stress. Es muss unmissverständlich klar sein, dass diese Massnahmen um so dringender sind, je weiter die Erkrankung fortgeschritten oder je höher das Risiko des Einzelnen ist. So wirkt bei Übergewichtigen eine Gewichtsabnahme von 10 kg wie ein starkes Medikament gegen Bluthochdruck.
Reichen diese Basismassnahmen nicht aus, muss mittelfristig auf Medikamente zur Blutdruck-, Blutzucker- und Blutfetteinstellung zurückgegriffen werden. Auch die Gabe von blutverdünnenden Mitteln und Nitraten ist dann zu erwägen. Diese blockierenden, symptomatischen Massnahmen zögern das Fortschreiten der Erkrankung in vielen Fällen hinaus, entgegnen der Krankheit aber nicht ursächlich.
Von grundlegender Bedeutung ist eine ursachenorientierte orthomolekulare Behandlung. Hier ist von der Einnahme von Vitaminen, Spurenelementen, Fischöl und anderen Vital- oder Mikronährstoffen die Rede. Diese schützen unsere Gefässe und Organe vor erhöhtem oxidativem Stress, vor den gefährlichen freien Radikalen. Sie sind auch Mittel der Wahl gegen andere wichtige Prozesse der Arteriosklerose wie einem erhöhten Homocysteinspiegel oder die massgebliche, endotheliale Fehlfunktion der Arterien. Die Aufnahme der empfehlenswerten Menge an Vitalstoffen mit der Nahrung ist im Falle einer Erkrankung wie der Arteriosklerose aus mehreren Gründen nur schwer möglich. Unreife Ernte, lange Lagerzeiten, Pestizidbelastung und chemische Bearbeitung unseres Obst und Gemüses sind unter anderem dafür verantwortlich.
Unterstützung im Kampf gegen die „Verkalkung“ ist auch von einigen Pflanzenheilstoffen, z.B. dem Allicin, den Anthocyanen oder den Bioflavonoide, und durch verschiedene Sauerstofftherapien zu erwarten. Sind die Veränderungen der Gefässe im Sinne einer Arteriosklerose bereits deutlich fortgeschritten werden von einigen Ärzten entgiftende Massnahmen wie die „Chelat-Therapie“ empfohlen. Hilft nichts anderes mehr oder sind besondere Risiken vorhanden, stehen einige eingreifende, chirurgische Verfahren zur Verfügung. Am wichtigsten hiervon sind die By-Pass Operation, bei der Ersatzgefässe die veränderten, krankhaften Arterien ersetzen, und die Ballon-Aufweitung der Arterien, die häufig mit dem Einsetzen eines metallischen Netzes zum Offenhalten der Verengung kombiniert wird. Leider immer noch viel zu oft muss ein „Raucherbein“ amputiert werden.
Zu beachten ist, dass nicht alle erwähnten Untersuchungen oder Therapien von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.
Welche Therapie in Frage kommt muss mit dem Arzt des Vertrauens im Einzelfall geklärt werden. Der Autor weisst darauf hin, das dieser Artikel den Besuch beim Arzt nicht ersetzen kann und hofft, dass die Bedeutung eines zeitigen, individuellem Risikoprofil für Herz-Kreislauferkrankungen klar geworden ist. Im Interesse der Förderung der eigenen und der Gesundheit unserer immer älter werdenden Bevölkerung nehme sich der Leser dies zu Herzen!
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